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Nancy Faeser bei Veranstaltung mit sozialen Einrichtungen in Eschwege Foto: Peter Jülich
Nancy Faeser bei Veranstaltung mit sozialen Einrichtungen in Eschwege

9. Juni 2021: Pressemitteilung - Wir halten zusammen. Wir handeln sozial!

Quelle: SPD-Unterbezirk Werra-Meißner

Im Gespräch mit Nancy Faeser: SPD lud soziale Einrichtungen, rettende Institutionen /Vereine zur Veranstaltung ins Eschweger E-Werk ein
Nancy Faeser bei Veranstaltung mit sozialen Einrichtungen in Eschwege Foto: Peter Jülich
Nancy Faeser bei Veranstaltung mit sozialen Einrichtungen in Eschwege

„Wir halten zusammen. Wir handeln sozial!“

Im Gespräch mit Nancy Faeser: SPD lud soziale Einrichtungen, rettende Institutionen /Vereine zur Veranstaltung ins Eschweger E-Werk ein

Unter dem Motto „Wir halten zusammen. Wir handeln sozial!“ hat die SPD Kreistagsfraktion alle sozialen Träger, Einrichtungen und Vereine eingeladen, um an der Veranstaltung mit der Vorsitzenden der SPD-Landtagsfraktion, Nancy Faeser, teilzunehmen. Dabei zeigte sich unter den Teilnehmern ein bunter Strauß an ehrenamtlichen und hauptamtlichen Akteuren. „Engagement vor Ort entscheidet darüber, ob eine Gesellschaft zusammenhält oder nicht“, machte Faeser deutlich, die sich genau von diesem Engagement überzeugen konnte.

„Die Corona-Pandemie hat unseren Alltag in Vereinen, in Organisationen, in Unternehmen und im privaten Umfeld enorm verändert. In einer Phase voller Einschränkungen muss das gesellschaftliche und soziale Leben dennoch weitergehen, insbesondere dann, wenn man sich mit seiner täglichen hauptamtlichen oder ehrenamtlichen Arbeit für den Zusammenhalt in unserer Gesellschaft einsetzt. Dass die letzten Monate eine große Herausforderung für Sie waren, ist uns sehr bewusst“, sagten die SPD-Kreistagsvorsitzende Karina Fissmann und der UB-Vorsitzende Knut John.

Über die aktuellen Herausforderungen berichtete unter anderem der Vorsitzende der Tafel Eschwege, Hans Liese. „Die Sammlung und die Ausgabe stellen kein großes Problem dar. Aber Leute zu finden, die das alles organisieren und die Arbeit im Vorfeld erledigen, das ist problematisch. Und auch die Lebensmittelspenden sind weniger geworden bei einer steigenden Nachfrage.“ Für die SPD-Landtagsvorsitzende Nancy Faeser sei Tafel viel mehr als Lebensmittelausgabe. Die Bürokratie und die Organisation im Vorstand sehe keiner. „Hier muss ein Teil der Arbeit und der Verantwortung abgenommen werden“, sagte sie in Bezug auf alle ehrenamtlichen Vereine und Organisationen.

Doch dass die Herausforderungen, gerade in Corona-Zeiten, vielfältig sind, veranschaulichten sowohl Präses Ludger Arnold, der vom Kirchenkreis Werra-Meißner gekommen war, als auch Jürgen Wagester, stv. Vorsitzender des Kreisfeuerwehrverband Werra-Meißner und Axel Thormann vom Kreis-DLRG. „Die ehrenamtliche Arbeit hat in dem vergangenen Jahr enorm gelitten. Durch das digitale Angebot haben wir viele Menschen verloren“, machte Arnold deutlich, der wie Wagester und Thormann die persönliche Begegnung für unerlässlich halten. Gerade im Bereich der aktiven Mitgliederarbeit, die bei Feuerwehr und DLRG wichtig für die Ausbildung sei, habe es gerade bei dem Nachwuchs einen Mitgliederrückgang gegeben. Der direkte Kontakt sei auch beim Verein Arche oder aber der Organisation „Eschwege hilft“ nötig. „Wir hatten während Corona ein Verbot, Hilfe zu leisten. Dabei wäre es so wichtig gewesen, gerade in dieser Phase für die Menschen da zu sein“, so Karl Montag von „Eschwege hilft“, der bemängelte, dass es für Einrichtungen wie seine keinerlei Unterstützung gebe. So gehe es auch anderen ehrenamtlichen Vereinen, die trotz ausbleibender Spenden und Zuwendungen ihre Betriebskosten aus eigener Kraft stemmen mussten. Die mangelnde finanzielle Unterstützung kritisierte auch Rafaela Pax von der Arche.

Unabhängig von der Corona-Pandemie wünsche sich Faeser eine dauerhafte Unterstützung des Ehrenamts. „Ein Ehrenamtsgesetz muss geschaffen werden, was sowohl die materielle als auch die bürokratische Unterstützung in diesem Bereich sicherstellt“, sagte sie. Direkte Hilfe bei der Schaffung des stationären Hospizes im Werra-Meißner-Kreis bot Faeser hingegen Anita Menda an, die berichtete, dass der Bau bereits seit 2017 geplant sei, jedoch sowohl ein Träger als auch die bürokratische Unterstützung fehle.

Im Bereich der Kita-Arbeit als auch in der Flüchtlingsarbeit stellten die Vertreter der AWO Werra-Meißner, Günter Engel, Jennifer Kaßner und Runa Aasland-Jost, die aktuellen Herausforderungen dar. Während Fachbereichsleiterin Aasland-Jost von personellen Problemen, der hohen Auslastung in den sieben Gemeinschaftsunterkünften und der derzeitigen Impfproblematik erzählte, bemängelten Engel und Kaßner die mangelnde Unterstützung im Kita-Bereich durch die Landesregierung. Das Land müsse zukünftig mehr finanzielle Mittel für die Kitas bereitstellen als nur einen Investitionskostenzuschuss, so Engel. Kaßner hingegen kritisierte den Fachkräftemangel in den Einrichtungen. „Pädagogische Arbeit ist nicht möglich, es ist nur noch Aufbewahrung. Das kann nicht sein“, sagte sie. „Wer den Beruf als Erzieher wählt, der sieht diesen als Berufung. Es ist nicht nur ein Job. Es muss Perspektiven geben. Dazu gehört neben einem optimalen Personalschlüssel eben auch eine angemessene Bezahlung“, so Faeser, deren Sohn selbst die Kita besucht und die Probleme derzeit hautnah miterlebt.

Während Andrea Böhnke von der Suchthilfe Werra-Meißner forderte, dass dieser Bereich nicht mehr nur noch als Kann-Leistung definiert wird, sondern auf die gleiche Stufe mit der psychosozialen Hilfe gesetzt werde, bemängelte Gudrun Lang von der Familienbildungsstätte Werra-Meißner das neue Förderprogramm des Landes zur Qualifizierung im Ehrenamt, das sowohl weniger Flexibilität und Geld als auch viel mehr Bürokratie mit sich bringe. Mehr Flexibilität in Bezug auf Barrierefreiheit bei Neubauten in Hessen wünsche sich auch Heinz-Enno Piègay vom VdK Kreisverband Werra-Meißner von der Politik.

Andrea Stöber, die als Vertreterin von Werraland Lebenswelten an der Veranstaltung teilgenommen hatte, machte deutlich, dass Pflichtleistungen generell nicht vom Ehrenamt ausgeglichen werden sollten. „Ehrenamt muss auch in unternehmerischen Prozessen eingebaut werden. VW zum Beispiel hat das gemacht und das Ehrenamt mit in die betrieblichen Lehrpläne aufgenommen“, berichtete sie.

Zum Abschluss der Veranstaltung bedankte sich Nancy Faeser gemeinsam mit den Gastgebern der SPD-Kreistagsfraktion für die geleistete Arbeit aller Akteure und das außergewöhnliche Engagement, das gerade in den letzten Monaten geleistet wurde. „Diese Veranstaltung hat die Bandbreite unseres Kreises dargestellt. Ich danke Ihnen, dass Sie heute alle erschienen sind“, so der SPD-Kreistagsvorsitzende Thomas Eckhardt, der versicherte, dass man mit allen Akteuren in Kontakt bleibe und sich um die entsprechenden Anliegen kümmere.

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